Disteln durch Art der Bodenbearbeitung verhütenAnweisungen der Gesellschaft für Boden, Technik, Qualität (BTQ)
Ratschläge für Landwirte und Gärtner um Wildkräuter, wie Diesteln, dauerhaft und ohne Chemie vom Acker oder aus dem Garten zu entfernen.
Menschen, die im Frühjahr von der Sonne ins Freie gelockt werden, erfreuen sich in ländlichen Gebieten, oft an einem sorgsam gepflügten Acker. Manchmal machen sie sich auch Gedanken darüber, wie den Wildkräutern Einhalt geboten wurde. Landwirte, die ihre Erträge konventionell anbauen, greifen bei der Minimierung von Disteln zum Beispiel gerne zu chemischen Mitteln, die im Bio-Anbau nicht erlaubt sind. Mit Wildkräutern entspannter umgehenDer Arbeitskreis Standortphysiologie, der Gesellschaft für Boden, Technik, Qualität (BTQ) schlägt vor, das Unkrautproblem als Frage des polaren, energetischen Betriebskreislaufes anzusehen und zu handhaben. Das bedeutet, Wildkräuter, wie Quecke, Ampfer und Huflattich nicht als Unkrautfeind zu betrachten und zu bekämpfen, sondern den Boden flach zu bearbeiten und damit zu verhindern, dass störende Wildkräutersamen keimen. Diese Sichtweise setzt ein entspanntes Denken voraus, dass nur durch Wissen und Erfahrung erworben werden kann. Von der „Klagemauer“ wegwenden und bewusster handelnViele Landwirte und Gärtner haben sich damit abgefunden, dass Teile ihrer Äcker mit Quecken oder Disteln verunkrauten und vernichten diese radikal mit Pestiziden. Vielfach wird dabei übersehen, dass diese chemische Sichtweise gravierende Schäden für den eigenen Körper und die Umwelt nach sich zieht. Ein radikales Umdenken und Handeln ist erforderlich. Eine Landwirtschaft ohne „Bekämpfung“ der Wildkräuter beruht auf vier SäulenDipl. Ing.agr Hartmut Heilmann, von der Gesellschaft für Boden, Technik, Qualität (BTQ), gibt wirksame, ökologische Ratschläge, wie eine Vorbeugung und Bearbeitung unmäßig wachsender Wildkräuter aussehen könnte. 1.Die Bearbeitung des Sommerboden muss so flach wie möglich sein Die heutige Bearbeitung des Bodens mit dem Pflug oder Grubber ist tiefer und breiter als mit dem Pferdepflug. Hartmut Heilmann erforschte, dass nur eine flache, Lebendverbauung des Ackers, diesen, nach dem Befahren mit Traktor-oder Mähdrescherrad „wieder beleben“. Die flachen, nicht vom Pflug bearbeiteten Äcker sind, nach seiner Erfahrung, strukturstabiler und tragfähiger und weisen mehr Regenwürmer und andere Mikroorganismen auf, als gepflügte 2.Organischer Substanzen müssen nur oberflächlich untergearbeitet werden Die tiefgründige Lockerung des Bodens gefährdet demnach die Lebensbedingungen der Mikroorganismen, die den Boden langfristig tragfähig erhalten. Landwirte und Gärtner müssen dafür sorgen, dass im Herbst organische Substanzen nicht zu tief eingearbeitete werden, weil sie sich dann besser umsetzen können. Eine feinkrümelige Struktur des Bodens kann demnach nur durch Naturprozesse die von Mikroorganismen, zu denen auch Asseln, und Regenwürmer gehören, in Gang gesetzt und gehalten werden. Deren Erhaltung und Förderung sei, so Heilmann, die Aufgabe des Menschen. 3.Distel dürfen während der Wachstumszeit nicht bearbeitet werden Die Experten des Arbeitskreises Standortphysiologie fanden, am Beispiel des Anbausystems mit dem Stoppelhobel, heraus: „Die Jahrestriebe der Disteln dürfen während der Wuchsperiode nicht berührt werden, damit sie im Spätsommer bis in den Boden absterben können. Das Hacken des Bodens begünstigt das Diestelwachstum. Ein Beispiel: Im 16 Hektar umfassenden Obstpark Schloss Türnich, bei Kerpen, wo ein Teil der flächenhaften Distelnester gemulcht wurde, hielt sich die Distel zwei oder drei Jahre länger als dort, wo man sie ihrer natürlichen Autoregulation überließ. Oft gehört Mut dazu eine Selbstordnung zuzulassen und nicht in unsinnige Aktivitäten zu verfallen. 4.Der Lebensprozess im Boden muss im Fluss bleiben Durch eine Beobachtung des Ackerbodens kann oft festgestellt werden, wie die Verunkrautung im Frühjahr zunimmt, wenn im Vorjahr durch eine bodenschädigende Stoppelbearbeitung viele Mikroben abstarben. Wichtig ist demnach ein Verfahren zu wählen, bei dem der Boden im Sommer weiter krümelt und lebendig bleibt. Neue Erkenntnisse in der DistelforschungNicht alle Bodenorgane sind Wurzeln. Die Bodenorgane der Ackerkratzdistel sind zum Beispiel, wie im August 2005 auf einem Versuchsacker festgestellt wurde, zunächst typische Ausläufer (Stolone). Später zeigen sie mehr Rhizomcharakter. Für Praktiker ist wichtig:
Die Eigenschaften von Jahrespflanzen und von Jahrestrieben sind miteinander vergleichbar. Viele Pflanzen wie Fingerhut (Digitalis purpurea L.) und Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) sterben, als winterannuelle Pflanzen, nach Blüte und Samenreife natürlicherweise ab. Werden Ackerkratzdistel während ihrer vegetativen Entwicklung bearbeitet, wird, entgegen dem Wunsch von Landwirten und Gärtnern, dieser Phase und ihre vegetative Stärkung und Ausbreitung verlängert. Wenn sie dauerhaft vom Acker verbannt werden sollen, müssen sie die Chance haben sich natürlich zu verwandeln und dann zu vergehen. . „Wenn wir es schaffen, dass die Unkrautwüchsigkeit so weit zurückgeht, dass Distelausläufer im Ackerboden schlafen; dann macht uns die Bekämpfung der Jahrestriebe keine Sorgen mehr“ , so Heilmann. Infoquelle: Anweisungen für eine Landwirtschaft ohne Distelbekämpfung (BTQ) Aufsatz Heilmann: „Vom Umgang mit organischen Prozessen im Boden.“ In: Ökologie und Landbau 110, 2/1999, S. 10 – 15;
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